Andrea Koltermann

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Aktualisiert: vor 18 Stunden 21 Minuten

Nea Kavala‚ Tag zwölf, Montag, 20. August 2018

So, 25.11.2018 - 18.36
Mein Terminplan heute: Englisch für Frauen Wäscherei Gartenprojekt Ich verlasse Pigi und gehe zurück in mein Hotel nach Polycastro. Mir ist aktuell nicht nach WG-Leben zumute, auch wenn es nur noch ein paar Tage bis zu meiner Abreise sind. Ich möchte abends meine Ruhe haben, für mich entscheiden, wann ich wo etwas essen gehe und …

Nea Kavala‚ Tag elf, Sonntag, 19. August 2018

So, 18.11.2018 - 19.14
Freier Tag Konflikte bewältigen – wenn man verschiedene Sprachen spricht. Geht das überhaupt? Nicht nur im Camp werden die unterschiedlichsten Sprachen gesprochen. Auch die Volunteers kommen aus vielen verschiedenen Ländern. Meistens sprechen wir englisch miteinander. Zu Beginn hatte ich große Schwierigkeiten, die unterschiedlichen Varianten des muttersprachlichen Englisch überhaupt zu verstehen. Auch mein Wortschatz reicht oft …

Nea Kavala‚ Tag zehn, Samstag, 18. August 2018

So, 11.11.2018 - 19.09
My schedule today: Mein Terminplan heute: Waren sortieren im Lager Nähworkshop Cyber-Workshop im Women’s Space Feelings Meeting Nachdem wir neue Kleiderspenden sortiert und genau in unserer PC-App dokumentiert haben, was wo zu finden ist, helfe ich im Nähworkshop. Dank einer großzügigen Spende aus einem Haushaltswarenladen in Polycastro haben wir nach dem Einbruch vor zwei Tagen …

Nea Kavala‚ Tag neun, Freitag, 17. August 2018

So, 04.11.2018 - 19.54
Mein Terminplan heute: Anstreichen im Drop Shop Wäscherei Die Sommer in Griechenland sind sehr heiß. 32 Grad sind es im August oft schon am Vormittag. Die Menschen sitzen gern im Schatten zwischen ihren Containern. Auch Cookie, einer der im Camp lebenden Hunde mag Schatten. Flüchtlinge und Volunteers kümmern sich tagsüber um ihn und versorgen ihn …

Nea Kavala‚ Tag acht, Donnerstag, 16. August 2018

So, 28.10.2018 - 19.13
Freier Tag An unserem freien Tag fahren eine Lehrerin aus Katalonien und ich mit dem Intercity-Bus nach Thessaloniki. An der Bushaltestelle in Polycastro treffen wir drei junge Männer aus unserem Camp, die wegen ihres Asylantrages auch dorthin zu einem Interview müssen. Wir besuchen den Hafen, einige römische Gebäude aus der Römerzeit und eine typische Markthalle. …

Nea Kavala‚ Tag sieben, Mittwoch, 15. August 2018

So, 21.10.2018 - 18.56
Mein Terminplan heute Englisch für Frauen Nähworkshop Gartenprojekt Leider hat heute Nacht jemand in unseren Drop Shop eingebrochen und Nähmaschinen gestohlen. Die im Camp diensthabende Polizei und das Militär haben nichts mitbekommen. Die von Voluntären und Flüchtlingen selbst gezimmerten Gebäude sind nicht gut gegen Einbruch gesichert. Ein afrikanischer Flüchtling bringt fachmännisch einen neuen Riegel an …

Nea Kavala‚ Tag sechs, Dienstag, 14. August 2018

So, 14.10.2018 - 19.00
Mein Terminplan heute: Englisch für Frauen Wäscherei Gartenprojekt Ein Freund hat mich gebeten, das Leben im Camp und die Zukunftsperspektiven der Menschen hier zu beschreiben. Das Flüchtlingscamp kann man sich wie ein kleines Dorf vorstellen. An einem aufgrund ungünstiger Winde nie in Betrieb genommenen Flughafenrollfeld stehen derzeit etwa 160 Container, in denen jeweils vier bis …

Nea Kavala‚ Tag fünf, Montag, 13. August 2018

So, 07.10.2018 - 19.39
Mein Terminplan heute: Englisch für Frauen Gartenprojekt Heute helfe ich bei We Are Here aus, einer mit Dråpen i Havet kooperierenden Organisation, die ebenfalls in Nea Kavala tätig ist. Es werden Englischkurse für Frauen in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden angeboten. Meine Aufgabe ist es, den besonders schwachen Schülerinnen beim Ausfüllen ihrer Arbeitsblätter und vor allem beim Üben …

Polycastro, Tag vier, Sonntag

So, 30.09.2018 - 19.35
Freier Tag

Heute ist unser freier Tag. Nach einem langen Frühstück sehe ich mir im Internet eine Reportage über die aktuelle Flüchtlingspolitik in Deutschland, Dänemark und in Kanada an. So wie es aussieht, werden künftig nur noch sehr gut ausgebildete Menschen eine Chance auf Asyl haben.

https://www.zdf.de/dokumentation/zdfzoom/zdfzoom-auslaender-rein—der-streit-ums-einwanderungsgesetz-100.html

Am Nachmittag fahren einige Volunteers und ich zusammen an die mazedonische Grenze, um dort in einem wunderschönen kleinen See am Skra Wasserfall zu baden. 12 Grad kaltes Wasser bei 32 Grad Lufttemperatur. Da wird nicht lange gezögert. Die Erfrischung und das anschließende Picknick tun uns gut.

Foto: Andrea Koltermann

Auf dem Rückweg werden wir von der griechischen Polizei angehalten. Wir müssen unsere Papiere zeigen und werden gefragt, wem der Wagen gehöre. Wir fragen uns, ob die Polizisten unseren italienischen Fahrer wegen seiner dunklen Haare für einen Flüchtling gehalten haben.

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2 Wochen im Flüchtlingscamp in Nea Kavala, Griechenland. Meine Erfahrungen lest Ihr in meinem Blog www.andrea-koltermann.de@drapenihavet#fraueneinestimmegeben#sprechendÜBERZEUGEN!

Gepostet von Andrea Koltermann am Samstag, 29. September 2018

DER WINTER WIRD KALT!
Spendenaktion für warme Bettdecken:
https://www.facebook.com/donate/1959933580764422/10217188784373006/

Nea Kavala, Tag drei, Samstag

So, 23.09.2018 - 19.31
Mein Terminplan:

Vincente Warenlager
Wäscherei
Wochen-Reflektion

Heute Vormittag treffen wir uns mit einigen Volunteers im Lager. Kleiderspenden die nicht sofort gebraucht werden und Lebensmittelvorräte für den Drop Shop werden hier gelagert und nach Bedarf abgeholt. Waren einer Art werden so lange gesammelt, bis genug für alle da ist. So will Dråpen i Havet Eifersucht und Streit um begehrte Artikel zu vermeiden.

Foto: Isabel Sevé

Am Nachmittag habe ich wieder Dienst in der Wäscherei.

Foto: Andrea Koltermann Foto: Andrea Koltermann

Während er auf seine Wäsche wartet, schreibt ein junger Mann aus Syrien meinen Namen in arabischen Buchstaben. Die arabische Schrift kennt nur Konsonanten, keine Vokale.

Foto: Andrea Koltermann

Ein Mann aus Afrika erzählt mir auf Französisch, dass er sich langweilt, er würde so gerne arbeiten und kann das warten hier kaum noch ertragen. Jung und kräftig sieht er aus und sehr unglücklich. Ich bin froh, mich ab und zu mit Flüchtlingen zu unterhalten zu können, die englisch oder französisch sprechen.

Eine gemeinsame Sprache zu sprechen vereinfacht die Kommunikation erheblich.

Zwei Männer und eine meiner Kolleginnen sitzen auf dem Boden vor der Wäscherei und spielen Backgammon. Ein paar Kinder schauen ihnen dabei aufmerksam zu. Hier scheinen die Uhren anders zu gehen. Die Menschen haben Zeit und scheinen für jede Ablenkung dankbar zu sein.

Foto: Andrea Koltermann

Eine Kollegin bastelt ein Abschiedsgeschenk für eine der Koordinatorinnen des Camps.

Am späten Nachmittag treffen sich alle Volunteers in einem Café in Polycastro zum „feeling-meeting“. Dem Organisatoren-Team ist es sehr wichtig zu wissen, wie es jedem einzelnen aus unserer Gruppe geht.

Foto: Andrea Koltermann

Am Abend findet die Abschiedsfeier für eine Kollegin statt. Sie hat ein Jahr lang als Koordinatorin für die Dråpen i Havet Volunteers in Nea Kavala gearbeitet. Eine Cafebesitzerin aus Axioupolis stellt uns dafür ihre Räume zur Verfügung und kocht ein tolles Abendessen für uns.

Nea Kavala, Tag zwei, Freitag

So, 16.09.2018 - 19.18
Mein Terminplan heute:

Treffen aller freiwilligen Helfer
Wäscherei
Gemeinschaftsraum/Sport

 Im Team-Meeting heute Morgen besprechen wir das Vorgehen bei eventuellen Notfällen. Unsere Sicherheit hat immer oberste Priorität, selbst wenn das bedeuten würde, dass Gegenstände oder sogar Gebäude zerstört werden könnten.

Foto: Isabel Sevé

Bei Konflikten zwischen Bewohnern mischen wir uns niemals ein.

Volunteers sind immer zu zweit an ihren Einsatzorten und via Facebook-Chat mit der ganzen Gruppe in Kontakt, sodass jeder immer weiß, wo sich alle anderen gerade befinden. Polizei und Militär sind rund um die Uhr vor Ort und falls wirklich einmal etwas passieren sollte, würden wir sofort evakuiert werden.

Diese Vorsichtsmaßnahmen scheinen fast schon ein wenig übertrieben, schließlich wirkt hier alles eher ruhig und friedlich, aber so fühlen wir uns auf jeden Fall sehr sicher.

Nach dem Meeting habe ich wieder Dienst in der Wäscherei. Dies ist ebenfalls ein guter Ort der Kommunikation. Oft setzen sich Leute zu uns, weil sie Zeit haben und ein bisschen Unterhaltung suchen.

Foto: Andrea Koltermann

Außer Niederländisch und Deutsch spreche ich mittelmäßiges Englisch und Französisch, aber das sprechen viele der Flüchtlinge nicht. Mir wird wieder einmal bewusst, wie wichtig es ist, eine gemeinsame Sprache zu sprechen, wenn man verstanden werden will. Arabisch kann ich leider gar nicht, zum Glück aber immer noch fließend Logopädisch. Das ist eine Sprache, bei der man ohne nachzudenken alles, was an Händen und Füßen, Gestik und Mimik zur Verfügung steht, einsetzt und die jeder versteht. Man braucht noch nicht einmal Mund und Ohren dafür. Meine Kolleginnen im Camp und auch die Flüchtlinge amüsieren sich köstlich darüber.

Doch nicht immer geht es nur um Zeitvertreib und Smalltalk.

Eine junge, fließend Deutsch sprechende Frau bittet uns um Hilfe für ihren Mann. Obwohl er kein Flüchtling sei, sondern mit ihr gemeinsam in Deutschland wohne und dort auch arbeite, sei er von der Polizei nach Nea Kavala gebracht worden. Nach einem Unfall auf der Rückreise aus der Türkei habe er schwere Verletzungen und offene Brandwunden. So sei er nicht reisefähig und sein Visum für die Wiedereinreise nach Deutschland müsse er persönlich in der mehr als 530 km entfernten deutschen Botschaft in Athen beantragen. Im Krankenhaus habe man ihn wieder weg geschickt, weil er weder einen griechischen Pass noch eine Aufenthaltsberechtigung vorweisen konnte.

Seine Frau bittet uns darum, seine Bettlaken mit 90 Grad waschen zu dürfen statt mit dem sonst üblichen 40 Grad Buntwaschprogramm, was wir in diesem Fall natürlich sofort einplanen können.

Eine gemeinsame Sprache verbindet!

Das junge Paar hat Glück, dass es im Camp eine ehrenamtlich arbeitende ehemalige Lehrerin gibt, die sich unentgeltlich um Menschen in besonderen Situationen kümmert. Nach einer erklärenden E-Mail an die Deutsche Botschaft heißt es jetzt erst mal abwarten. Ich hoffe für den jungen Mann, dass er auch ohne ärztliche Hilfe durchkommen wird. Besuchen darf ich ihn persönlich nicht.

Irgendwie fühle ich mich den beiden seltsam verbunden, obwohl ich sie gar nicht kenne. Vermutlich, weil sie in Deutschland leben und wir dieselbe Sprache sprechen.

Foto: Andrea Koltermann

Am Nachmittag arbeite ich im Gemeinschaftsraum. Auf dem Programm stehen Gesellschaftsspiele und Basteln für Kinder und am späteren Nachmittag Sport für die Erwachsenen.

Ich erschrecke, wie schwer es für die Kinder ist, sich auf ein Kartenspiel zu konzentrieren. Auch das Spielen mit Bausteinen ist für viele schwer auszuhalten, obwohl sie nicht ungeschickt sind. Mir wird bewusst, dass diese Kinder in den letzten Jahren statt spielen zu lernen Krieg erlebt haben. Da gab es sicherlich keine Kartenspiele und vermutlich hätte niemand die Ruhe gehabt, ihnen so etwas beizubringen.

Foto: Andrea Koltermann

Überrascht hat mich hingegen ein kleines einjähriges Mädchen. Ein Junge setzt mir die Kleine einfach auf den Tisch, auf dem wir gerade Masken basteln. Das Mädchen malt mit einer Stifthaltung, die für einen fünfjährigen lobenswert gewesen wäre, ganz konzentriert große Kreise auf das Papier.

Jetzt ist meine Konzentration gefragt. Eigentlich wollte ich ja aufpassen, dass die Aufkleber, mit denen die Masken verziert werden sollten, als erst als Belohnung fürs Basteln herausgegeben werden. Zu spät, die Alibabas, wie die Jungen sich gerne nennen, haben diese schon stibitzt.

Foto: Andrea Koltermann Foto: Andrea Koltermann

Abendstimmung in Nea Kavala. Flüchtlinge und Volunteers tanzen vor dem Drop Shop.

Nea Kavala, Tag eins, Donnerstag

So, 09.09.2018 - 19.57
Mein Terminplan heute:

Einführung
Check-Out Markt
Wäscherei

Heute treffe ich Molly, die Dråpen i Havet Koordinatorin in Nea Kavala. Die neu angekommenen Volunteers erhalten ihre Einführung. Alles ist sehr gut organisiert hier und Sicherheit für Bewohner und Gäste hat immer oberste Priorität. Normalerweise werden alle einzelnen Einsatzorte nach einem rotierenden Plan durchlaufen, sodass jeder Volunteer jedes Angebot kennenlernen kann. Ansonsten ist Molly sehr offen für unsere Ideen und Anregungen.

Foto: Andrea Koltermann

Es gibt den Drop Shop, in dem die Camp-Bewohner Second Hand Kleidung und einige Grundnahrungsmittel erhalten. Außerdem gibt eine Wäscherei, einen Nähworkshop, eine Werkstatt, in der Dinge gebaut oder repariert werden und einen Fahrradverleih. Insbesondere während der Schulferien finden Freizeitaktivitäten für alle Altersklassen statt.

Foto: Andrea Koltermann

Mein Arbeitstag beginnt. Als Erstes arbeite ich im Check-Out des Drop Shops. Alle zwei Wochen erhalten die Flüchtlinge eine bestimmte Anzahl an Drops, so nennt sich die Kryptowährung der Organisation Dråpen i Havet.

Neben T-Shirts und Shorts gehören Seife, Waschmittel und Zahnbürsten zu den beliebtesten Artikeln im Shop.

Im Drop Shop herrscht eine fröhliche Stimmung, vor allem die Mädchen haben hier ihren Spaß! Ich kann mir vorstellen, dass es auf einem arabischen Basar ähnlich zugeht.

Sowohl die Kunden als auch die Verkäufer haben eine Menge Spaß hier. Am Check-Out, also der Kasse gibt es immer wieder Diskussionen zwischen den Camp-Bewohnern und den Verkäuferinnen, wenn die Anzahl der Drops nicht für die gewünschten Waren ausreicht. Gerne versuchen sie dann mit uns zu handeln, aber Rabatte sind nicht vorgesehen und unsere PC-App, mit der die Abrechnung der Einkäufe erfolgt, lässt dies auch gar nicht zu. Oft sind wir froh auch einige Volunteers aus den Reihen der Flüchtlinge zu haben, die gerne als Dolmetscher einspringen. Zwei Teenagerinnen schauen mich mit großen dunklen Augen an. Sie möchten gerne noch mehr Kleider kaufen, aber die Punkte der Familie sind verbraucht und sie müssen zwei Wochen warten, bis sie wiederkommen dürfen.

Foto: Andrea Koltermann

Der Drop Shop ist ein Ort der Kommunikation. Hier spreche ich mit sehr vielen Menschen.

Während der Mittagspause sitzt ein kleiner Junge aus Syrien im Gemeinschaftsraum. Er erzählt mir, dass er nach Deutschland ziehen und dort, wenn er groß ist, Polizist werden möchte.

Ich bringe ihm bei auf Deutsch zu zählen und gebe ihm eine kleine Aufgabe mit. Ich bin gespannt, ob er für weitere Unterrichtsstunden auf mich zukommen wird.

Foto: Andrea Koltermann

Am Nachmittag bin ich in der Wäscherei eingesetzt. Unsere Aufgabe ist es, die Vergabe der Waschtermine zu koordinieren. Alle zwei Wochen können die Bewohner der Wohncontainer und Zelte eine von der Anzahl der Familienmitglieder abhängige Anzahl an Maschinenwäschen reservieren. Im EDV-System werden sowohl Reservierung als auch die Nutzung der Maschinen dokumentiert.

Ein junger Mann kommt viele Stunden zu spät mit einem Rucksack voll Wäsche und schimpft, weil wir ihm keinen Ersatz-Termin am selben Tag geben können.

Seine Freunde reden beruhigend auf ihn ein, er erhält einen Termin in der darauffolgenden Woche und schnell ist alles wieder in Ordnung. Andere Camp-Bewohner, die die Situation beobachtet haben, kommen hinterher auf uns zu, um sich für das Verhalten ihres Freundes zu entschuldigen.

Foto: Andrea Koltermann

Der Abend scheint die schönste Tageszeit im Camp zu sein.
Aus einer Box, die auf dem Dråpen i Havet Auto steht, kommt Musik. Flüchtlinge und Volunteers spielen Volleyball auf dem großen Gemeinschaftsplatz vor dem Drop Shop. Auch viele Kinder sind dabei, sie spielen mit, toben ausgelassen oder tanzen mit den Volunteers. Die Stimmung hat etwas Besonderes. Obwohl sie in einem Flüchtlingscamp leben und für die meisten der Menschen hier die Zukunft ungewiss ist, scheinen alle diesen Abend sehr zu genießen.

Foto: Andrea Koltermann

Die Anreise

Mi, 05.09.2018 - 19.49

Bei der Sprengstoffkontrolle ist alles gut gegangen. Auch das Plastikbesteck, welches ich auf Bitten eines Volunteer Kollegen noch schnell eingepackt habe, hielt der Prüfung stand. Ich bin nicht terrorverdächtig.

Foto: Andrea Koltermann

Gleich heben wir ab. Auf der Suche nach neuen Ufern starte ich morgen mein gleichnamiges Projekt.

Ein Paket mit zu klein gewordenen T-Shirts und Shorts meines Sohnes habe ich bereits per Post nach Polycastro geschickt. Das war deutlich günstiger als einen zusätzlichen Koffer einzuchecken und hat den Vorteil, dass ich diesen auch nicht selber tragen muss. Puh, bin ich froh, dass ich jetzt hier im Flugzeug sitze. Dieses Online-Einchecken bei Ryanair ist schon ein Erlebnis, vor allem wenn man zwischendurch einen neuen Personalausweis bekommen hat und mit dem gewohnten Login genau diese Daten nicht ändern kann.

In drei Stunden werde ich in Thessaloniki landen. Einen halben Tag „Urlaub“ will ich mir dort gönnen und dann mit dem Intercity-Bus nach Polycastro weiterfahren.

Foto: Andrea Koltermann

Nach einem kurzen Nickerchen werde ich wach und sehe aus dem Fenster Berge unter uns. Die Alpen, sogar Schnee ist auf einigen Gipfeln zu sehen und das im Sommer.

Wie gut es mir geht, denke ich schlaftrunken. Ich reise mit einem sicheren Verkehrsmittel von meinem Land in ein anderes, mir unbekanntes Land und weiß doch, dass ich in zwei Wochen wieder zu Hause bei meiner Familie sein werde, dass alles dort noch so aussehen wird wie heute Morgen als ich mein Zuhause verlassen habe und dass ich dort auch meiner gewohnten Arbeit wieder nachgehen werde.

Wie geht es wohl den Menschen, die auf der Suche nach einem neuen sicheren Leben, nach Arbeit, Essen und Unterkunft in einem völlig überfüllten Gummiboot aufbrechen, ohne Gepäck, mit kleinen Kindern, ohne Ziel und ohne zu wissen, ob sie jemals irgendwo ankommen werden oder ob diese Reise über das Mittelmeer ihre letzte sein wird.

Auf mich warten heute Abend ein Bett in einem netten kleinen Hotel und zwei junge Volunteers, mit denen ich in den kommenden beiden Wochen zusammenarbeiten werde. Sie haben mich gefragt, ob wir heute Abend zusammen essen gehen wollen.

Auch darüber brauche ich mir keine Gedanken zu machen. Natürlich gehe ich gern mit. Ich habe genug Geld, um abends mal ein Restaurant zu besuchen. Und falls sich herausstellen sollte, dass ich irgendetwas wichtiges vergessen habe einzupacken, dann kann ich mir das sicherlich in Griechenland kaufen.

Ich tippe meine Gedanken in meinen Laptop bis ich hungrig werde. Dann greife ich in meine Tasche nach meiner Brotdose. Wie selbstverständlich das für mich alles ist. Natürlich habe ich ein Butterbrot dabei und sogar zwei Stück Kuchen, die meine Tochter gestern noch gebacken hat.

Ich frage mich, was die Schulung mit den Schwimmwesten sollte. Wir sind doch gar nicht über das Meer geflogen. Seltsame Sicherheitsmaßnahmen gibt es in diesen Fluggesellschaften.

Wir nähern uns unserem Ziel. Ich sehe Häuser mit Swimmingpools im Garten und staune darüber, wie grün das Gras hier ist. In Deutschland und in den Niederlanden ist alles durch die lange Dürre in diesem Sommer vertrocknet und gelb.

Ich sehe das Meer und freue mich, doch sofort muss ich an die vielen Tausend Menschen denken, die hier in diesem Sommer schon auf der Flucht ertrunken sind.

Ich spreche einige Sprachen, doch griechisch kann ich nicht. Macht nichts denke ich mir, ich war schließlich schon in Japan ohne Japanisch zu können. Und im Camp werde ich mit Menschen zusammen arbeiten, die arabisch oder farsi oder ganz andere Sprachen sprechen. Die kann ich auch alle nicht.

Ich steige wie alle anderen Leute auch am Flughafen in den Bus Linie X1 nach Thessaloniki und am Bushof wieder aus. Dort frage ich am Kiosk nach Fahrkarten und dem Bus nach Polycastro. Der Verkäufer verweist auf die Busfahrer, aber die sind wohl alle der Hitze entflohen und nicht in ihren Bussen.

Am Bahnhof erfahre ich, dass ich ein paar Haltestellen zu früh ausgestiegen bin und werde freundlich auf Buslinie 45 verwiesen. Der nette Busfahrer öffnet extra nochmal die Tür für mich, obwohl er schon losgefahren war. Nach ein paar Minuten wundere ich mich. Die Strecke kenne ich doch, nur aus der anderen Richtung. Also steige ich wieder aus und gehe erst einmal zum Hafen hinunter. Da wollte ich sowieso irgendwann hin und ich habe ja noch ein paar Stunden Zeit.

Foto: Andrea Koltermann

Am Hafen kaufe ich mir zwei Kugeln Eis in einem Waffelhörnchen. Zitrone und Walnuss. Ich wundere mich schon wieder. Diesmal darüber, dass das Zitroneneis nach Vanille und das Walnusseis noch Karamell schmeckt. Vielleicht hätte ich doch besser Griechisch lernen sollen statt Englisch und Norwegisch.

Foto: Andrea Koltermann

Am Bushof spricht mich ein junger Mann an und erzählt mir, dass er aus Syrien käme und gerne in seine Heimat zurückkehren würde, aber dort sei ja immer noch Krieg und alles zerstört. Seine Aufenthaltsgenehmigung sei schon vor zwei Jahren abgelaufen und seitdem müsse er auf der Straße leben. Ich gebe ihm zwei Euro und frage mich, wie das weitergehen soll.

Im Intercity-Bus nach Polycastro staune ich über den guten Zustand der Straße. Wir fahren auf eine malerische Kulisse aus Bergen zu. Ich bin gespannt, was mich in den nächsten fünfzehn Tagen hier erwarten wird.

Foto: Andrea Koltermann

Der Blick vom Balkon im Hotel Astro ist auf jeden Fall schon einmal vielversprechend.

Vorbereitungen

Di, 04.09.2018 - 19.35

Meine Tochter ist aus ihrem Mallorca-Urlaub zurückgekommen. Auf meine Ankündigung hin, dass ich mich in einem Flüchtlingslager engagieren möchte, reagiert sie mit folgenden Worten: „Das wolltest du ja schon immer machen!“

Mithilfe einer Bekannten finde ich die Organisation Dråpen I Havet, eine international arbeitende Organisation mit Sitz in Norwegen und melde mich dort als Volunteer an.

www.drapenihavet.no

Mein Sohn kommt zu Besuch. Auf meine Ankündigung, dass ich in einem Auffanglager für Flüchtlinge arbeiten werde, reagiert er genauso gelassen, als hätte ich ihm erzählt, ich müsse noch zum Bäcker.

Bevor es losgeht, heißt es für mich, meine Reserven aufzutanken. Wir haben zwei Wochen Familienurlaub auf dem Naturcampingplatz auf Terschelling gebucht. Ohne Strom aber mit fließendem Wasser, direkt am Wald und nur zwei Kilometer vom Meer entfernt.

Meine ToDo-Liste
  • Ein Flüchtlingscamp auswählen
  • Flug und Hotel buchen
  • Eine Webseite für meinen Blog einrichten
  • Meine Mutter besuchen und ihr von meinem Vorhaben berichten
  • Seminartermine mit meinen wichtigsten Kunden vereinbaren

Meine Pläne

Mo, 03.09.2018 - 18.25

Für mich ist es an der Zeit, etwas neues zu tun, etwas zu tun, was ich schon lange gerne tun möchte. Lange habe ich mein Leben nach den Bedürfnissen meiner Familie geplant, nach dem Tagesablauf meiner Kinder, die ich über alles liebe. Und das habe ich sehr gerne gemacht. Jetzt sind diese groß und gehen ihre eigenen Wege.

„Frauen eine Stimme geben“. Unter diesem Titel habe ich in diesem Jahr einige Workshops gehalten. Auch nachdem in unserem Land Frauen seit 100 Jahren ein Stimmrecht haben, ist gehört und verstanden werden für Frauen immer noch enorm wichtig.

Für wen kann dieses Thema „Eine Stimme haben“ noch wichtig sein, überlege ich während der Vorbereitung eines Vortrages, vielleicht sogar noch viel wichtiger als für die Frauen in unserem Land?

Foto: Andrea Koltermann

Immer wieder bin ich entsetzt, verärgert und aufgewühlt durch aktuelle politische Ereignisse in Europa.

Wie geht es denn den Frauen, die auf der Flucht sind, werden sie gehört und verstanden? Interessiert das überhaupt jemanden auf dieser Welt. Kommen sie nicht sowieso schon oft aus Ländern, in denen Frauen viel weniger zu sagen haben als bei uns? Schnell habe ich mir meine Frage selbst beantwortet. „besonders benachteiligten Frauen und Mädchen eine Stimme geben“ das wird das Motto meines neuen Projektes sein.

Als Logopädin hatte ich 25 Jahre lang oft mit Menschen zu tun, die nicht sprechen konnten. Menschen, die gehört und verstanden werden wollen, buchen mich heute als Sprech- und Stimmcoach.

Foto: Andrea Koltermann

Heute habe ich meinem Mann Rainer erklärt, dass ich für einige Wochen verreisen werde. Mein Sohn studiert bereits und meine Tochter ist kurz davor.

Mein Mann scheint wenig überrascht zu sein, mitkommen möchte er nicht, aber solange ich nicht in ein Kriegsgebiet reisen will, unterstützt er meine Idee. Davon abhalten würde er mich sowieso nicht. Nach mehr als 25 Jahren mit mir und meinen Ideen weiß er, dass das vollkommen sinnlos wäre.

Meine ToDo-Liste
  • Eine Organisation suchen, die Flüchtlingsprojekte betreut
  • Einen Termin für meine Reise wählen
  • Meine Seminare für die zweite Jahreshälfte planen

Aufbruch zu neuen Ufern

Sa, 01.09.2018 - 19.08

„Why do people leave homes, their friends, their jobs and everything behind and risk their own lives and those of their children?“

Unzählige Menschen brechen zu neuen Ufern auf. Oft tun sie das unfreiwillig, ohne zu wissen, was sie erwartet, einfach nur, um überleben zu können.

Foto: Andrea Koltermann

Andere Menschen spüren, dass sie etwas im Leben ändern wollen, ohne einer lebensbedrohlichen Situation ausgesetzt zu sein. Sie spüren etwas, haben eine Vision oder hören auf einen Ruf und machen sich dann auf den Weg.

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