E-Money: Mobiltelefon statt Bankkonto

In Deutschland geht die Diskussion darum, jedem Einwohner das Recht auf ein Bankkonto zu gewähren. In anderen Ländern geht man hingegen neuere Wege, welche die Teilnahme am allgemeinen Wirtschaftsleben ganz ohne Bankkonto ermöglichen. E-Money ist das Schlagwort und ein Trend, der erfolgreich seinen Siegeszug angetreten hat.

Das prominenteste Beispiel ist sicherlich M-Pesa aus Kenia. Seit mittlerweile 2007 ist dieser Service allen Menschen in Kenia zugänglich und wird heute von etwa 25 Millionen Menschen genutzt. Das Mobiltelefon ersetzt das Bankkonto. Von der Taxifahrt über den Snack zu Mittag bis hin zu den unterschiedlichsten Dienstleistungen und Einkäufen, alles können Menschen in Kenia heute mit ihrem Mobiltelefon bezahlen und bargeldlos Zahlungen entgegen nehmen. Anstatt Geld auf ein Bankkonto einzuzahlen, wird das Guthaben auf dem Mobiltelefon gespeichert. Von hier kann der Besitzer jederzeit darauf zugreifen, alles bezahlen was das tägliche Leben verlangt, oder auch Geld darüber einnehmen. Der Taxifahrer oder die Marktfrau, der Kaffeehausbesitzer oder der Souvenirstand, alle akzeptieren M-Pesa. Wer möchte kann sich sein Guthaben bei diversen Geschäften wieder auszahlen lassen. Oder eben neues Guthaben aufladen. Alles ohne Bankkonto, Bankfilialnetz und komplizierte Überweisungsscheine. Mittlerweile ist M-Pesa auch in anderen Ländern aktiv, in denen viele Menschen über kein Bankkonto verfügen, und ermöglicht so über alle Bevölkerungsschichten hinweg die Teilnahme am Finanzleben. Ein Mobiltelefon hat heute selbst im entferntesten Winkel der Welt jemand. Ein Bankkonto ist für viele Menschen hingegen unerreichbar.

Dabei ist M-Pesa nicht allein. In Peru entwickelt die Regierung für die vielen Menschen, die über kein Bankkonto verfügen, derzeit ein ähnliches System, das sie Bim nennen. Denn selbst in Peru verfügen nur 20% der 30 Millionen Einwohner über ein Bankkonto. Dafür besitzt heute so gut wie jeder in Peru ein Mobiltelefon. Diesen Trend machen sich Unternehmen weltweit zunutze, von Indien über Afrika, Südamerika bis nach Osteuropa. Überall entwickeln sich Unternehmen und Konzepte, die eine elektronische Weitergabe von Geld über Mobiltelefone oder Online Konten anbieten, die mit Banken nichts zu tun haben. Von GNU Taler bis hin zu Apple Pay, Google Wallet oder Venmo und Tencent Mobile Payments, die Vielfalt und Bandbreite ist groß.

Im Unterschied zu vielen anderen E-Money Konzepten wird jenes in Peru tatsächlich von den Banken des Landes entwickelt und betrieben. Die diversen anderen Konzepte wie M-Pesa basieren auf der Idee und der Unterstützung durch Telekom Unternehmen, private Geldgeber sowie Technologieunternehmen.

Wie weit Banken und der Finanzsektor hier vom enormen Bedarf und der unglaublichen Dynamik des E-Money Marktes profitieren können, wird sich zeigen. Schließlich bieten die Kundenkontakte und zunehmend wirtschaftlicher Erfolg der Nutzer auch den Banken große Kundenpotenziale für andere Produkte. Bisher scheinen die meisten Geldinstitute weltweit den Trend aber eher zu verschlafen und das Feld anderen zu überlassen.

Martina Bahl, Ihre Expertin für Anleihen, Derivate und Strukturen
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