Frauen zahlen mehr

Frauen schneiden in puncto Kosten bei der Anlageberatung und bei Finanzprodukten in der Regel deutlich schlechter ab als Männer. Ihnen werden höhere Gebühren verrechnet, Produkte mit einer höheren Expense Ratio verkauft und Depot- und Kontenmodelle empfohlen, die teurer sind als vergleichbare andere Produkte. Selbst bei Zinssätzen schneiden Frauen gemäß einer FINRA Studie schlechter ab. Sie zahlen im Schnitt um ein halbes Prozent höhere Zinsen auf das gleiche Produkt.

Frauen erhalten also erstens eine qualitativ schlechtere Beratung von vielen Anlageberatern und Banken, und zahlen dafür zweitens noch einen höheren Preis als männliche Investoren und Kreditnehmer. Die „Gender Bias“ gibt es also nicht nur bei Gehalt und Beförderung, sondern auch beim Investieren und bei Krediten.

Dieses Phänomen der schlechteren Beratung von Frauen tritt übrigens weltweit auf, und ist nicht auf ein bestimmtes Land oder einen Kulturkreis begrenzt. Wie kann es also sein, dass Frauen eine schlechtere Anlageberatung bekommen als Männer? Schließlich ist weltweit mehr Vermögen in weiblichem Besitz als in männlichem, nicht zuletzt aufgrund der höheren Lebenserwartung von Frauen.

Eine mögliche Erklärung haben Forscher des Max Planck Instituts 2015 in einer Studie veröffentlicht. Sie belegten, dass die Qualität von Finanzberatung positiv korreliert ist mit dem vermeintlichen Finanzmarktwissen des Investors, der sich beraten lässt. Im Schnitt wird Frauen dabei weltweit weniger Finanzmarktwissen attestiert als Männern.

Tatsächlich verfügen Frauen in den meisten Ländern dieser Welt über ein geringers Interesse und damit Wissen zum Thema Investments und Finanzmarkt, wie etwa eine Studie des National Bureau of Economic Research herausfand. Nun ist es aber auch so, dass nicht alle Männer Finanzprofis sind, und nicht alle Frauen totale Nullen auf diesem Gebiet. Vielen Männern scheint es jedoch leicht zu fallen, kompetenter zu wirken als sie es sind. Es mangelt ihnen seltener an Selbstvertrauen. Bei Frauen ist dies häufig anders. Sie wirken nicht selten unsicherer als Männer, und sie sagen eher, dass sie etwas nicht wissen, als dies ihre männlichen Co-Investoren tun würden. Frauen sind im Schnitt tatsächlich weniger kritisch und vertrauen ihrem Berater eher als Männer. Der Lohn für diese Gutgläubigkeit: Sie bekommen von ihren provisionsabhängigen Beratern riskantere und teurere Produkte empfohlen. Warum liegt auf der Hand. Teurere Produkte zahlen dem provisionsabhängigen Berater eine höhere Provision.

Aber warum werden nun Menschen, denen der Berater mehr Finanzmarktwissen attestiert, besser beraten? Das haben ebenfalls die Forscher des Max Planck Instituts untersucht. Tatsächlich verbessert sich die Qualität der Finanzberatung, sobald der Berater vermuten muss, dass sich der Kunde bei der Konkurrenz ein Vergleichsangebot einholt. Männern wird eine höhere Kompetenz in Finanzfragen unterstellt und somit eine höhere Wahrscheinlichkeit für einen Vergleich mit anderen, verfügbaren Produkten. Frauen werden eher als „Captive Business“ betrachtet. Und solches zieht so manch provisionsgetriebene Berater dann schon mal gerne zum eigenen Vorteil über den Tisch.

Was also tun? Frauen tun gut daran, sich möglichst gut informiert zu geben. Der Schein ist wichtig. Und sie sollten gleich zu Beginn kundtun, dass sie selbstverständlich noch bei anderen Beratern oder Banken Vergleichsangebote einholen werden. Eine Honorarberatung wäre sowieso der beste Weg, sowohl für Männer als auch Frauen, denn damit hätten sie von vorne herein den provisionsgesteuerten Interessenskonflikten den Riegel vorgeschoben.

Die asymmetrische Preisgestaltung nach Geschlechtern gibt es übrigens nicht nur im Finanzmarkt. Das oft zitierte und klassische Beispiel ist Rasierschaum. Der idente Inhalt, aber die Packung im Regal für Frauenkosmetik kostet deutlich mehr als das Produkt für Männer.

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