Hat die Bankenregulierung Grenzen?

Nach der Finanzmarktkrise in 2008 riefen Politiker aller Länder und Parteien nach stärkerer Regulierung für Banken. Strengere Auflagen, höheres Eigenkapital, mehr Überwachung, Verbot von Eigenhandel, mehr Transparenz für Derivate und vieles mehr wurde gefordert und großteils auch umgesetzt. OTC (Over the Counter) Geschäfte wurden auf Plattformen gezwungen und mit Dokumentationspflichten gegenüber Behörden versehen. Die Banken stöhnen unter den neuen Auflagen. Zu viele neue Vorschriften, zu viel neue Bürokratie, zu viel Dokumentation und Aufwand, der das Geschäft hemmt. Die neue Bürokratie und Auflagen sollen die Finanzmärkte und damit unsere Wirtschaft schützen, sie verteuern und erschweren es den Banken aber auch in vielen Bereichen, effizient zu arbeiten. Das bekommt auch die Wirtschaft zu spüren. Die Zusammenarbeit mit den Banken ist schwierig geworden.

Dieses möglicherweise Zuviel an Regulierung schafft für Banken deshalb auch einen deutlichen Anreiz, so manche Aktivitäten in nachgelagerte Gesellschaften auszulagern, die ihrerseits nicht der Bankenregulierung unterliegen. Verbriefungsgesellschaften schießen aus dem Boden, dazu jede Menge Hedge Fonds, in die der Eigenhandel der Banken eingebracht wird, und diverse neue Private Equity Fonds und Geldmarktfonds. Das Schattenbankenwesen war bereits bisher riesig, unreguliert und großteils ohne viel Informationen und Publizität darüber. Deshalb auch der gängige Sammelbegriff der Schattenbanken, da sie weitgehend unbeobachtet und unbehelligt von der Öffentlichkeit agieren. Im Zuge der Regulierungswut ist das System noch weiter gewachsen. Nicht nur, weil Banken Teile ihrer Geschäfte ausgelagert haben, sondern auch, weil normale Banken viele Geschäfte nicht mehr oder in dem Ausmaß betreiben, wie es die Wirtschaft benötigen würde. Die Schattenbanken mit ihren Geldmarktfonds, Hedge Fonds, Private Equity Fonds, Finanzdienstleistern und modernen Formen der Kreditvermittlung springen nur zu gerne ein. Das globale Schattenbankenwesen ist laut Schätzungen des IMF so groß, wie der Wert der weltweiten Wirtschaftsleistung und wächst weiter.

In China fließen Unsummen an Geldern in High Yield Produkte von Trust Gesellschaften, die mit den Kundengeldern verschiedene Assets kaufen, am Immobilienmarkt investieren oder Kredite an Konzerne und Kommunen vergeben. Grund dafür ist in China die Regulierung der Guthabenzinsen, die echte Banken ihren Sparern zahlen dürfen. Die klassischen Banken behelfen sich mit Sachgeschenken, die zusätzlich zu den Zinsen an die Kunden verschenkt werden. Für neue Spareinlagen etwa gibt es je nach Summe iPhones oder sogar Autos. Trotzdem sind in China im Jahr 2014 die Einlagen bei Banken um 25% gesunken. Ein Teil davon ging auch an die Geldmarktfonds von großen Unternehmen wie Alibaba oder Baidu, die ebenfalls mehr Zinsen bezahlen als Banken. Ob die Mehrheit der Anleger die Produkte durchschaut und das Risiko versteht?

Doch was soll die Antwort darauf sein? Müssen die Sparer – egal ob sie nun Kunden bei einer regulierten Bank sind oder etwa einem Geldmarktfonds – besser geschützt werden? Sollen Banken wieder weniger Auflagen erfüllen müssen, haben die Behörden mit der Regulierung übertrieben? Muss auch das Schattenbankensystem mit in Regulierung und Aufsicht einbezogen werden, um die Anleger und vor allem das System selbst zu schützen? Oder entscheidet am Ende der Markt, welches System am Ende erfolgreich sein wird, die Banken oder die Schattenbanken? Verflochten sind sie allemal sehr stark, und der Zusammenbruch der einen hätte wohl auch gravierende Auswirkungen auf die anderen.

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