Die Robo Advisor kommen!

Sie scheinen auf dem Siegeszug. Die sogenannten Robo Advisors, oder auch automatisierte Anlageberater. Ihre Assets under Management steigen exponential, und die Agentur A.T. Kearney geht in einer aktuellen Studie sogar davon aus, dass bis 2020 allein in den USA über zwei Billionen Dollar an Robo Advisor Firmen gehen werden.

Dabei reden wir hier nicht mehr nur von kleinen Internet Startups der FinTech Szene, die mit automatisierter Anlageberatung ihr finanzielles Glück versuchen. Immer mehr große Finanzunternehmen springen auf den Zug auf und gründen eigene Robo Advisor Zweige. Vorreiter unter den Großen waren Vanguard und Charles Schwab, zwei der ganz großen Fondsmanager. Doch auch andere wie Fidelity, Morgan Stanley und Wells Fargo arbeiten an eigenen Angeboten. Durch ihren Einstieg in die Robo Advisor Welt nimmt der Zug erst richtig Fahrt auf. Am Beispiel von Vanguard hat man gesehen, dass binnen kurzer Zeit viel, sogar sehr viel Geld der bisher klassisch verwalteten Gelder auf die automatisierte Plattform gewandert ist. Geholfen hat Vanguard ein Ansatz, der automatische Algorithmen mit der Möglichkeit, doch noch mit einem richtigen, menschlichen Berater zu sprechen, kombiniert. Der Großteil der „Beratung“ findet aber selbt bei Vanguard ohne menschliche Kontakte statt.

Hat die Welt der klassischen, gemanagten Fonds und der Anlageberatung, wie wir sie kennen, ausgedient? Braucht die Welt keine Anlageberater mehr? Wie konnte es so weit kommen?

Ein wichtiger Beweggrund für viele sind sicherlich die Kosten. Klassische, aktiv gemanagte Fonds kosten nunmal Geld, im Schnitt so um die 0,80% p.a. der verwalteten Gelder. Exchange Traded Funds liegen da mit 0,10% bis 0,20% schon deutlich tiefer. Nimmt man noch die Kosten für ein aktives Vermögensmanagement hinzu (im Schnitt etwa 1%, mal mehr und mal wengier je nach Anbieter) und vergleicht diese mit den Management Fees der Robo Advisor Plattformen (von 0% bis 0,89%, im Schnitt so um die 0,25%), kommt man mit den Robos schon mal deutlich günstiger weg. Gratis ist selbst hier die Geldanlage nicht, aber zählt man Management Fees und Expense Ratios zusammen, kann ein Investor bei den Robos schon kräftig sparen.

Die Kosten sind natürlich ein wichtiges Argument, geben aber wahrscheinlich nicht den endgültigen Ausschlag. Das sieht man etwa bei normalen Bankkonten, wo selbst hochpreisige Kontoformen mit exorbitanten Gebühren weiter überleben. Viele Kunden sind einfach zu faul, um allein der Kosten wegen die Bank zu wechseln. Warum also die Vermögensverwaltung wechseln?

Nun, die Welt verändert sich rasant. Die junge Generation ist es gewohnt, ihr Leben vom Smartphone aus zu managen. Überweisungen, Bankgeschäfte, Pizza bestellen, Online Dating App, schnell mal über WhatsApp oder Facebook mit den Freunden verabreden, alles Wichtige auf der Welt erfahren, Aktienkurse checken und ganz nebenher noch sein Geld verwalten. Da aber das mit dem Geldverwalten doch eher mühsam, aufwändig und komplex ist, wird dieser Teil entweder ausgeblendet oder eben gerne mal über eine unverbindlich wirkende, anonyme und einfach gestaltete Online Plattform gemacht. Ein Investment in Muster-ETF-Portfolien ist einfach, übersichtlich und spart am Ende auch noch Kosten. Eine aktive Interaktion mit einem menschlichen Investmentberater ist zu mühsam, und den Banken und ihren Beratern traut die junge Generation ohnedies häufig nicht über den Weg. Transparenz und vor allem Bequemlichkeit sind Trumpf. Dazu Flexibilität, den Anbieter mal eben so wechseln zu können, auch wenn man das selten in Anspruch nehmen wird, ist für das wichtige Gefühl der Unabhängigkeit gut. Dazu kommt, dass viele Robo Advisor Anbieter mittlerweile sehr niedrige Mindestanlagevolumina haben, und selbst jemand mit geringem Sparguthaben einsteigen kann.

Kurzum, Internetplattformen zur Geldanlage liegen im Trend. Sie bedienen auch Kundengruppen, die bisher nicht von Anlageberatern beachtet wurden, sind günstiger, transparenter und bequemer. Der Robo Advisor ist auch um zwei Uhr nachts noch da. Zudem wird die Produktpalette durch die neuen, großen Anbieter immer breiter.

Eine Nische für die klassische Anlageberatung wird es weiter geben. Jene Berater, die qualitativ hochwertiges Wissen und ihren wohlhabenden Kunden den Zugang zu Spezialprodukten anbieten, wird es weiter geben. Das breite und bisher für viele lukrative Basisgeschäft dürfte sich im Laufe der kommenden Jahr hingegen zunehmend auf Robo Plattformen verlagern.

Martina Bahl, CFA, Ihre Beraterin und Rednerin zu Finanzthemen
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