Wer ist schuld an Spekulationsblasen?

Immer wieder kommt es zu spekulativen Blasen an den Finanzmärkten. Zuerst werden Aktien, Anleihen, strukturierte Investments, Währungen oder Derivate hoch über ihren fundamentalen Wert hinaus getrieben. Dann platzt die Blase plötzlich und mit Wucht, und viele Anleger verlieren viel Geld.

Nach neuesten Erkenntnissen sind daran die Dummen schuld! Nun, die Wissenschaft drückt es nicht ganz so banal aus. Eine aktuelle Studie von Bosch-Rosa, Meissner und Bosch-Bomenech (2015) spricht von „kognitiven Blasen“ und „kognitiven Fähigkeiten“. In einem Experiment vergleichen sie das Trading-Verhalten von Versuchsteilnehmern mit „hohen kognitiven Fähigkeiten“ (also den Klugen) mit jenem der Versuchsteilnehmer mit „niedrigen kognitiven Fähigkeiten“ (also den Dummen). Das wissenschaftliche Experiment kommt zu dem Ergebnis, dass Märkte, in denen nur die Klugen handeln, keine spekulativen Blasen ausbilden. Denn die Klugen bewerten ihre Anlagen hauptsächlich anhand von Fundamentaldaten und analysieren das Umfeld. Werden hingegen die weniger Klugen (also die Dummen) an die Handelstische gesetzt, treiben diese die Preise völlig unfundiert in die Höhe und es kommt zu Spekulationsblasen. Die Forscher nennen es die Verwirrung der Versuchspersonen. Sie erkennen den korrekten Wert der Anlagen einfach nicht.

Eine ähnliche Studie haben drei andere Wissenschaftler erstellt. Im Experiment von Corgnet, DeSantis und Porter, das diese auf der Experimental Finance Conference in Nimwegen im Juni 2015 präsentierten, untersuchen die Forscher, wie gut Wertpapierhändler die Fülle an Informationen im Markt verarbeiten, um gute Handelsentscheidungen zu treffen. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass die Fähigkeit der „kognitiven Reflektiertheit“ (also wieder die Klugen) ausschlaggebend dafür ist, wie gut Händler die Märkte und das Verhalten anderer beurteilen können. Die kognitiv „Klugen“ schneiden in ihren Handelsergebnissen besser ab, denn sie denken mehr nach und reflektieren mehr. Allerdings kommt die Studie auch zu dem etwas nachdenklich stimmenden Ergebnis, dass die Händler mit hohen kognitiven Fähigkeiten vor allem dann gut handeln, wenn sie denken, dass noch mehr Kluge im Markt unterwegs sind. Sonst strengen sie sich nicht sonderlich an und schwimmen mit den Dummen mit.

Dass sich Händler generell mehr anstrengen, sobald sie denken, dass sie clevere Gegenspieler haben, bestätigt übrigens ein weiteres wissenschaftliches Experiment. Farjam und Kirchkamp (2015) untersuchen, wie sich die Existenz von algorithmischen Händlern (also den High Frequency Trandern oder HFT) auf das Handelsverhalten von normalen oder Low Frequency Tradern (LFT) auswirkt. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass sich normale, menschliche Händler rationaler verhalten und damit weniger spekulative Blasen entstehen, wenn sie denken, dass sie algorithmischen Händlern im Markt gegenüberstehen.

Zusammengefasst kann man also festhalten, dass es erstens möglichst vieler kluger und reflektierter Marktteilnehmer bedarf, und zweitens diese auch voneinander wissen müssen, um sich anzustrengen, mit Bedacht zu handeln und somit Spekulationsblasen zu vermeiden. Wenn etwas schief geht, dann sind daran sowieso die Dummen schuld!

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